Dienstag, 9. Juni 2026

TraumTänzer

 


Wo die Freiheit beginnt:
Hört das Leben auf zu enden,
kehrt der Himmel ins Herz zurück,
fangen Träume an zu leben.
Wer träumt, ist frei!


Zwei Träumer spielen 
„Mensch ärgere Dich nicht”, 
doch ihre Seelen tanzen Tango.
Elegantes Rot kleidet die Dame, 
wie die Blüte ihr Haar.
Weiß auf Schwarz trägt der Herr, 
und sein Kopf einen Hut.

Dreimal würfeln 
um den Anfang.
 
Ein Bandoneon spielt leise auf 
und ruft sie zum Tanzen.
Die Spannung steigt hörbar. 
Fühlbares Feuer 
entfacht zur Musik.
Herzpochen durchdringt 
ihr flammendes Knistern.

Mit dem nächsten Würfel 
fällt eine Sechs.
Sein Einsatz ist jetzt.

Eine halbe Drehung 
und drei Schritte nach vorn. 
Mit dem Blick zu ihr fragend, 
den Hut vom Kopf geschmissen:
"Darf ich bitten?"

Ohne Zögern greift sie den Würfel auf 
Nach drei Drehungen 
ihre Antwort: eine Sechs

Selbstbewusst zieht sie 
auf Position 
und tanzt sich schwungvoll 
an seine Seite.

Ihre Hand legt sich in seine. 
Zwei Figuren 
schließen zueinander auf.

Ein tiefer Atemzug 
des Bandoneons 
führt zum zündenden Akkord, 
und Herzen beginnen
miteinander zu tanzen.

Geeinter Takt 
fährt in ihre Beine 
und übernimmt die Führung.
 
Füße tanzen vorwärts 
unter Armen, 
aufgespannt 
zu Pfeil und Bogen.

Die Richtung stimmt. 
Ein harscher Schulterblick, 
dann schnellt die Energie 
mit ihnen los. 
Den Kurs der Emotionen erspürend,
bewahren sie Haltung.
Stirn an Stirn gelehnt,
hingebungsvolles Fließen —
aufgelöst im Wirbelsturm.

Reifes Duellieren.
Ein Nachjagen 
nebst kühlem Fliehen 
und doch erneut Umwerben 
bis zum Wiederaufnehmen 
und Nähe wagen 
im vertrauten Wiegeschritt.

Rücklings angelehnt, 
auf Händen getragen. 
Ehrbares Miteinandersein.

Getanzte Versöhnung 
und ein tiefer Blick 
in himmlisch funkelnde Augen.

Ihre Liebe zum Tanz, 
die sehnsuchtsvolle Bilder malt. 
Erfüllte Glücksmomente
schenken sich rahmenlos.

Sie kennen alle Farben —
von kraftvoll bis zärtlich, 
wissen, wie das Leben schmeckt:
Süß, bitter, sauer,
am schmerzlichsten.
 
Was trägt wohl die Ewigkeit?
 
Alle Figuren sind im Spiel
und variieren das Tempo.
Um ihn herum sich drehend,
ist ihr Kopf ein Kreisel 
in seiner Hand.

Sicher sinkt sie
vor ihm nach hinten, 
wird schwungvoll aufgerichtet, 
halb entlassen 
und ganz zurückgeholt
in seine Arme.
 
Alles wieder auf Anfang.

Kräftemessend nebenhergehen.
Liebe erinnern, 
während der Tod 
ums Überleben kämpft.

In jedem Aus
sein Rufen: „Komm zurück!”
Kein ja. Kein nein.

Im Wechsel, 
rückwärts durch die andere Mitte, 
schwingend das Bein.

„Nimm deinen Weg nach Haus!”, 
rät die Kür. 
Da klopft die Pflicht an 
und mahnt: „Schmeiß ihn raus!”

Ein faires Spiel 
hält sich an die Regel. 
Feuer und Leidenschaft 
nähren ihr Lachen
wie diesen ehrlichen Tango.

Über Wangen und Rücken 
rollen Perlen aus Salz. 
Die stürmische See ihrer Leben 
glättet die Wogen.

Galant erreichen sie den Hafen
und werfen zu Anker.
Seufzend mündet 
mittig vom Parkett ihr Tanz.
 
Elegantes Rot
vor Weiß auf Schwarz, stehen 
gehüllt in sattes Schweigen.

Was keiner wirklich verloren, 
bleibt gleichsam in ihnen am Leuchten —
L(i)ebensfreude pur.
 

Gesichter erblühen wie Blumen, 
lächelnd die Sonne begrüßend.

Danke von Herzen & Auf Wiedersehen!

Zwei Traumtänzer und ein Tango. 






  

Ein Hauch von Ewigkeit —

zwischen Gewinnen und Verlieren im Spiel des Lebens.

&

Ehrenamtliche Hospizbegleitung  

Wenige Tage vor seinem Tod saßen wir beieinander. Inmitten von sicht- wie spürbarer Vergänglichkeit umgab uns kein kaltes Schweigen, vielmehr eine ganz lebendige, warme Nähe. Eine Nähe, die so stark war, dass sie die quälende Angst im Raum sanft beruhigte und in eine unberührte, tragende Stille verwandelte.

In diesen Moment hinein schenkte ich ihm mein Gedicht „TraumTänzer“. Dessen Zeilen sind inspiriert von unseren Begegnungen, den Spielpartien und der Kunst des Lebens, wenn eine Krankheit dir alles nimmt. Genau vor diesem Besuch haben sie sich um einen Satz vollendet. Wir sahen uns das letzte Mal — wusste es nicht, fühlte es aber.
Dank des gemeinsamen Erinnerns sind sie (s)ein unvergängliches Strahlen durch Raum und Zeit — nicht nur für mich.

Im Licht jener Dämmerung reichten sich Hände, während Liebe sanft der Seele Flügel trocknete — bereit zum Flug und wissend, sie bleibt.

Wer mutig ist und offen für ein „Stirb, bevor du stirbst”, der lasse sich von den Worten führen und der Musik dazwischen in den Himmel tanzen.


In tiefer Verbundenheit — 
ein friedvolles & gesegnetes Erwachen im Sein.



  
  
Zur Erinnerung an einen wundervollen Menschen
Gewidmet Herrn L., *1964 - †2025








 
Es ist der Schmetterling, der die sterbende Raupe ans Fliegen erinnert.



Fotos: Pixabay / Bilder: Google Gemini

TraumTänzer

  Wo die Freiheit beginnt: Hört das Leben auf zu enden, kehrt der Himmel ins Herz zurück, fangen Träume an zu leben. Wer träumt, ist frei! Z...